Erworbene und genetisch bedingte Krankheiten

 

Das Genom des Hundes, also der gesamte Genbestand seiner Art wurde erst 2007 komplett entschlüsselt. Hierdurch wurde den Wissenschaftlern und der Hundezucht ganz neue Dimensionen eröffnet. Wir können heute mit DNA-Tests bereits einige Erbkrankheiten feststellen und somit die Verbreitung immer weiter eindämmen.

 

Durch die Aufschlüsselung des Erbgangs (monogen) oder der Erbgänge (polygen) kann verhindert werden, dass weiterhin betroffene Tiere mit betroffenen Tieren zusammengeführt werden können.

 

Es ist jedoch zu unterscheiden, ob ein Tier Träger oder bereits erkrankt ist.

 

Diese Erkenntnisse erlauben es den Zuchtverantwortlichen, dass mit sorgfältiger Überwachung und mit neuen Vorschriften der Zuchtverbände, der Verbreitung erbbedingter Krankheiten sukzessive Einhalt geboten wird, bis diese mit der Zeit eliminiert werden können.

 

Es liegt aus diesem Grund auch in der Verantwortung des Käufers, sich eine Zuchtstätte auszusuchen, die diese Untersuchungen vornimmt und die Ergebnisse vorweisen kann.

 

Bitte beachten Sie jedoch, dass nicht bei allen Erbkrankheiten nur die Genetik der Auslöser ist. Vielmehr ist es oft die Kombination aus genetischen Anlagen und ungünstigen Umwelteinflüssen (Epigenetik), die zu einer Erkrankung führen kann.


Gerade die Erkrankungen am Skelett und Halteapparat zählen dazu. So können gesunde Hüft- und Ellebogengelenke der Elterntiere zwar eine gute Basis schaffen, bei negativen Umwelteinflüssen kann es dennoch zu Problemen bei der Nachzucht kommen.

 

Hüftgelenksdysplasie (HD)

 

Diese Erkrankung ist den meisten Labradorinteresenten bekannt. Der Begriff HD umschreibt die krankhafte Veränderung am Hüftgelenk. Es ist eine Erbkrankheit, die bei vielen mittelgroßen und großen Hunderassen vorkommt. Hier bringt eine Röntgenuntersuchung Klarheit. Wichtig ist jedoch, dass frühestens ab dem 12. Lebensmonat, besser noch etwas später die Untersuchung vorgenommen wird, da vorher keine verbindliche Diagnose gestellt werden kann, da das Skelett und damit auch die Gelenke noch nicht genügend weit entwickelt sind. Je nachdem, wie stark und wie fortgeschritten diese Veränderungen sind, werden verschiedene Grade unterschieden:

 

  • HD A bedeutet, frei ohne Anzeichen von HD

  • HD B bedeutet eine Übergangsform

  • HD C bedeutet geringe Veränderungen

  • HD D bedeutet mittelgradige Veränderungen

  • HD E bedeutet schwere und fortgeschritten

 

Ellenbogendysplasie (ED)

 

Die Ellenbogengelenksdysplasie ist ein chronisch verlaufender Krankheitskomplex des Ellenbogengelenks schnellwüchsiger Hunderassen. Die ED stellt eine vererbte Entwicklungsstörung des wachsenden Skeletts dar. Hohes Körpermassewachstum und Fütterungsfehler sind weitere begünstigende Faktoren. Die ED beginnt in der späten Wachstumsphase bei vier bis acht Monate alten Jungtieren mit einer schmerzhaften Veränderung des Gelenks und der gelenkbildenen Knochenteile. Der Bewegungsumfang des Ellenbogens ist eingeschränkt. Frühzeichen sind Steifigkeit am Morgen oder nach Ruhepausen. Auch hier bringt eine Röntgenuntersuchung Klarheit.

 

Nachfolgend erkläre ich Ihnen kurz die zur Zeit gängigen Krankheitsbilder, die durch einen Gen-Test festgestellt werden können.

 

Bella wurde auf all diese Erkrankungen getestet, einen Nachweis der jeweiligen Labore finden Sie in dieser Rubrik unter Nachweise.

 

Erbliche Myopathie (cnm)

 

Die Erbliche Myopathie beim Labrador Retriever wurde erstmals vor 25 Jahren in den USA beschrieben und ist seitdem auch in Europa und Australien unter verschiedenen Namen bekannt, z.B. als Centronuclear myopathy (cnm). Die Hunde leiden unter Hypotonie, generalisierter Muskelschwäche, abnormaler Haltung und einem steifen Gang. Betroffene Tiere sind nur schwach belastbar und kollabieren schnell, wenn sie der Kälte ausgesetzt werden. Unter Belastung tritt Muskelatrophie auf, die teilweise auch die Kopfmuskeln betrifft.

Die Erbliche Myopathie beim Labrador Retriever wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass ein Hund nur erkrankt, wenn er je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhalten hat. Es müssen also sowohl Vater- als auch Muttertier das kranke Gen tragen.
Träger, d.h. Tiere mit nur einem betroffenen Gen, können zwar selbst nicht erkranken, geben aber die Erbanlage mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an ihre Nachkommen weiter. Bei der Verpaarung von zwei Trägern besteht die Gefahr, daß die Nachkommen von der Erkrankung betroffen sind. Deshalb sollte niemals ein Träger mit einem anderen Träger verpaart werden. Bella und Chester sind jeweils über ihre Elterntiere frei.

 

Exercise Induced Collapse (EIC)

 

Der Exercise Induced Collapse (EIC) ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die beim Labrador Retriever und eng verwandten Rassen auftritt. Bisher wurde die Mutation bei Labrador, Chesapeake-Bay- und Curly-Coated-Retrievern nachgewiesen.

Vor kurzem wurde die für EIC verantwortliche Mutation im DNM1-Gen von der Arbeitsgruppe um Prof. James Mickelson an der University of Minnesota gefunden. LABOKLIN konnte die exklusive Lizenz für den EIC-Gentest erwerben und besitzt somit das alleinige Untersuchungsrecht in Europa.

Die ersten Anzeichen eines Exercise Induced Collapse (EIC) sind ein schaukelnder oder verkrampfter Gang, der Hund wirkt steifbeinig. Erkrankte Hunde entwickeln schon nach 5 - 15 Minuten Anstrengung (z. B. beim Training oder bei starkem Stress) eine Muskelschwäche und kollabieren.

Bei den meisten Hunden ist vor allem die Hinterhand betroffen, bei manchen setzt sich die Schwäche auch bis zu den Vorderläufen fort und führt somit zum Festliegen. Während eines Kollaps sind die Hunde meistens bei Bewusstsein, je nach Schweregrad der Erkrankung kann es aber auch vorkommen, dass sie desorientiert oder vorübergehend bewusstlos sind.

Die dem Defekt zugrundeliegende Mutation im DNM1-Gen kann mittels eines DNA-Test nachgewiesen werden.
EIC wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass ein Hund nur erkrankt, wenn er je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhalten hat. Es müssen also sowohl Vater- als auch Muttertier das mutierte Gen tragen. Bella und Chester sind jeweils über ihre Elterntiere frei.

 

Prcd-PRA

 

Die Progressive Retina Atrophie (prcd-PRA ) ist eine Erkrankung der Netzhaut (Retina), die durch kontinuierliches Fortschreiten immer zur Erblindung führt. Dabei werden die Photorezeptoren des Auges im Laufe der Zeit zerstört. Zuerst verlieren die Stäbchenzellen ihre normale Funktion, was zu fortschreitender Nachtblindheit sowie dem Verlust der Anpassung des Sehvermögens an das Dämmerlicht führt. Durch die Zerstörung der Zapfenzellen kommt es schließlich zur völligen Erblindung des Hundes. Die klinischen Symptome treten in der Regel schon in der frühen Jugend auf, in den verschieden Hunderassen allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die Diagnose von Netzhauterkrankungen beim Hund ist oft schwierig. Der prcd-PRA Gentest ist sehr hilfreich für eine gesicherte Diagnose dieser Krankheit. Die prcd-PRA wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, daß ein Hund nur erkrankt, wenn er je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhalten hat. Es müssen also sowohl Vater- als auch Muttertier das mutierte prcd-Gen tragen. Bella und Chester sind jeweils über ihre Elterntiere frei.

 

HNPK

 

Bei der Hereditäre Nasalen Parakeratose (HNPK) handelt es sich um einen Gendefekt, der zu einer Austrocknung der Hundenase führt. Vor allem auf der oberen Seite (dorsaler Nasenspiegel) bildet sich eine trockene, borkige Hautschicht, die mit der Nase verbunden ist und sich nicht ablösen lässt. Es können sich Risse bilden, die sekundäre Infektionen durch Bakterien nach sich ziehen. Auch eine Aufhellung des dunklen Nasenspiegels kann beobachtet werden.
Erste Symptome treten im Alter von 6 Monaten bis einem Jahr auf. Eine symptomatische Behandlung mit Vaseline, Propylenglycol- oder Salicylsäurehaltigen Produkten kann bei der Auflösung der trockenen Borken helfen. Bella wurde über das Labor Laboklin getestet und ist frei. Chester ist frei über die Elterntiere.

 

RD/OSD

 

Bei der Retina Dysplasie oder auch „Netzhaut Dysplasie“ handelt es sich um eine angeborene Missbildung der Netzhaut, die in verschiedenen Formen auftritt. Die RD/OSD wird vermutlich autosomal dominant vererbt, der genaue Erbgang ist nicht zu 100% untersucht.

 

Narkolepsie

 

Die Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung, hier liegt eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus vor. Die Erkrankung macht sich durch plötzliches Einschlafen bemerkbar. Diese spontane Schläfrigkeit kann durch Aufregung/Stress sogar noch verstärkt werden. Sie wird autosomal rezessiv vererbt, d.h. ein Tier erkrankt nur, wenn es je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhält. Bella wurde über das Labor Certagen getestet und ist frei.

 

SD 2

 

Bei der Skeletalen Dysplasie 2 handelt es sich um eine Erbkrankheit, bei der das Knorpel- und Knochenwachstum durch eine Anomalie gestört ist und dadurch der normale Wachstumsverlauf der Röhrenknochen vorzeitig zum Stillstand kommt. Es handelt sich hierbei um eine mildere Form des Zwergenwuchses. SD 2 wird autosomal rezessiv vererbt, d.h. ein Tier erkrankt nur, wenn es je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhält. Bella wurde über das Labor Certagen getestet und ist frei.

 

Hyperurikämie (HUU)

 

Fast alle Säugetiere scheiden Allantoin als Endprodukt des Purinstoffwechsels aus. Eine Mutation im SLC2A9-Gen verhindert den Abbau von Harnsäure zu Allantoin, was zu einer erhöhten Harnsäurekonzentration in Blut und Urin führt. Da Harnsäure schlecht wasserlöslich ist haben Tiere, welche die Mutation reinerbig tragen, ein erhöhtes Risiko Harnsteine zu bilden. HUU wird autosomal rezessiv vererbt, d.h. ein Tier erkrankt nur, wenn es je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhält. Bella wurde über das Labor Certagen getestet und ist frei.

 

Pyruvatkinase-Mangel (PKDef)

 

Die Pyruvat Kinase (PK) ist ein Schlüsselenzym im Zuckerstoffwechsel, der Erythrozyten. Ein PK-Mangel der roten Blutkörperchen verhindert das Aufrechterhalten eines normalen Zellstoffwechsels und führt zu einem frühzeitigen Abbau der Zellen. Kann dieser Abbau nicht mehr durch eine vermehrte Produktion von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark ausgeglichen werden, kommt es zu einer hämolytischen Anämie (Blutarmut) mit unterschiedlichem Schweregrad. Im Gegensatz zu Katzen ist der PK-Mangel bei Hunden zusätzlich mit einer progressiven Myelofibrose (fortschreitende Knochenmarkserkrankung, Abbau des blutbildenden Knochenmarks) und Osteosklerose (Verhärtung des Knochenmarks, welche die Belastbarkeit der Knochen vermindert) unbekannter Ursache assoziiert. Diese, sowie Leberversagen sind die Hauptgründe für den Tod betroffener Hunde. PKDef wird autosomal rezessiv vererbt, d.h. ein Tier erkrankt nur, wenn es je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhält. 

Bella wurde über das Labor Certagen getestet und ist frei.

 

Myotubuläre Myopathie (MTM)

 

Charakteristisch für die Myotubuläre Myopathie sind gleichmäßig kleine Muskelfasern mit zentral angeordnetem Zellkern, die an fötale Muskelfasern erinnern. Klinische Anzeichen der Erkrankung treten bereits bei oder kurz nach der Geburt auf. Betroffene Rüden leiden an extrem niedrigen Blutdruck und schwerer Muskelschwäche, insbesondere die Schwäche der Atemmuskulatur führt zu Problemen.

 

Die Krankheit wird X-chromosomal rezessiv vererbt, d.h. weibliche Tiere können reinerbig (homozygot) normal, homozygot betroffen oder mischerbige (heterozygote) Träger sein. Männliche Tiere besitzen nur eine Kopie des X-Chromosoms, d.h. Träger der Mutation sind von der Krankheit betroffen. Weibliche Träger der Mutation können die Krankheit in der Population verbreiten, ohne selbst Symptome zu zeigen. Daher ist es besonders wichtig, die weiblichen Träger zu identifizieren, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Bella wurde über das Labor Certagen getestet und ist frei.

 

Quelle: Certagen, Laboklin

 

 

 

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