Noch 18 mal schlafen

Nun ist es nicht mehr lang und alle Hundekinder ziehen in ihr neues Heim.

Das letzte Besuchswochenende war wieder einmal sehr schön und sehr intensiv.

 

Unsere Welpen zeigen uns mit jedem neuen Tag mehr hundetypisches Verhalten und wir sind jetzt schon ganz gespannt, wie sie sich bei euch weiter entwickeln.

 

Hier in der Welpenstube werden die Spiele langsam rauer, erste kleine Kämpfe müssen ausgefochten werden und anschließend liegt man wieder eingekuschelt beieinander, so ist das Welpenleben.

 

Bei einigen von euch kam die Frage auf, warum die Hunde heute bereits in der 9. Lebenswoche abgegeben werden und nicht, wie vor einigen Jahren noch üblich erst mit 12 Wochen.

 

Auch wir haben unsere Bella mit Vollendung der 8. Lebenswoche abgeholt und auch wir hatten uns damals diese Frage gestellt.

 

Nun ist es wie oben beschrieben, die hundetypischen Verhaltensweisen werden jeden Tag mehr und die Betreuung der Tiere von Tag zu Tag intensiver. Kleine Machtkämpfe und Raufereien sind durchaus normal und gehören einfach dazu, eine Interpretation in Richtung "der ist aber dominant oder der ist aber ängstlich" hat zu diesem Zeitpunkt wenig Aussagekraft, da jede Verhaltensweise erprobt werden muss und sich täglich ändert. Jeder muss sich ausprobieren und seine Grenzen testen, heute ist es der Rüde, der gestern noch ängstlich wirkte und morgen die Hündin, die immer abseits lag.

 

Was jedoch definitiv zunimmt ist die Lernbereitschaft, die Neugierde, die Abenteuerlust.

 

Um dieser, vom Hund ausgehenden Bereitschaft seine Umwelt zu entdecken, gerecht zu werden und sie in die richtigen Bahnen zu lenken, ist es wichtig, dass jedes Hundekind nach der 8. Woche sein ganz individuelles eigenes Leben kennen lernt.

 

In einem Rudel von 9 Welpen ist eine Einzelförderung nicht möglich. Wir haben uns auf die Zeit der achtwöchigen Aufzucht sehr gut vorbereitet und führen die Welpen in ihrem Geschwisterverbund an alle möglichen Reize heran um eine optimale Prägung zu gewährleisten.

 

Eine Prägung ist jedoch keine Erziehung und die Gegebenheiten in den einzelnen Familien durchaus unterschiedlich, sodass die heute stark praktizierte Abgabe in der 9. Lebenswoche durchaus Sinn macht.

 

Gerade vor dem Hintergrund der Abgabe in der 9. Lebenswoche ist es für uns so wichtig, dass jeder Welpe in seiner Familie die Zeit und Ruhe bekommt, sich einzuleben, bevor der Alltag richtig los geht. Aus diesem Grund haben wir auch auf einen Urlaub zur Eingewöhnung bestanden.

 

Würden die Welpen weitere Wochen im Rudel zusammen leben, würde das Spiel immer rauer werden und das Selbstbelohnungssystem  der Hunde wäre schon so weit fortgeschritten, dass zum einen die Bindung an uns Menschen erschwert würde und sich mit unter Umständen schon Verhaltensweisen bei unseren Tieren eingeschlichen hätten, die uns den gemeinsamen Alltag erschweren.

 

Ich hatte ja bereits gesagt, dass wir unsere Tiere in einem gewissen Grad zur Abhängigkeit erziehen. Dies hört sich erst einmal recht hart an, bedeutet jedoch nichts weiter als eine Bindung aufzubauen.

 

Wenn für meinen Hund verständlich ist, dass ich (Mensch) entscheide, wann er in den Freilauf darf, wann wir unsere Runden drehen und wo es hin geht und wenn ich auf der anderen Seite in der Lage bin, meinem Hund Sicherheit zu vermitteln, ihm das Gefühl geben kann, dass er bei mir gut aufgehoben ist, dass ich auf ihn aufpasse und dass er von mir geliebt wird, dann ist Bindung möglich.

 

Wenn ich es dann noch schaffe, mich mit ihm in einer Art und Weise zu beschäftigen, die hundetypisch ist, wie z.B. ein Zerrspiel auf allen Vieren im Garten, ein Rangeln und Kalbern und dieses Spiel auch unterbrechen kann, dann wird nach und nach unsere Bindung immer stärker.

 

Der Hund lebt zwar in einer Abhängigkeit zu mir, diese empfindet er jedoch als angenehm, er fühlt sich bei mir sicher, sein Belohnungssystem ist von mir abhängig, dies fördert wiederum unsere gemeinsame Bindung. Er möchte etwas mit mir unternehmen, denn er hat gelernt, dass es sich lohnt, dass unsere Aktionen ihm Freude bereiten und das ich mich im Umkehrschluss freue, wenn er sich so verhält, wie ich es ihm beigebracht habe.

 

Dabei dürfen wir jedoch niemals vergessen, dass Hunde keine Maschinen sind und ihre ganz eigenen Bedürfnisse haben. Diese Bedürfnisse sollten wir nach Möglichkeit mit unseren kombinieren.

 

Ein Beispiel:

 

Ich gehe gern wandern. Wandern heißt für mich, ich gehe in einem gleichmäßigen Tempo durch die Natur und tue dabei nichts außer laufen und meinen Gedanken nachgehen.

 

Mein Hund streift gern durch die Natur, er schnüffelt gern, schaut ob er etwas aufregendes findet, vielleicht jagt er gern mal einer heißen Spur hinterher, ist ja alles so aufregend! Er trifft gern andere Hunde und rauft mit ihnen durchs Unterholz, er suhlt sich gern in Pfützen und wirft sich gern in Aas und Kot anderer Tiere.

 

Wie sieht unser gemeinsamer Spaziergang jetzt aus?

 

So, wie bei 80% aller Hundebesitzer. Der Mensch macht was er will,  nämlich wandern und der Hund macht was er will, nämlich jagen, schwimmen, raufen etc.

 

Was passiert, wenn ich meinen Hund nun rufe?

 

In den meisten Fällen nichts!

 

In einer optimalen Bindung kann ein gemeinsamer Spaziergang so aussehen:

 

- wir gehen gemeinsam an der Leine los, ich mache ein paar Übungen, wie z.B. an der Straße absitzen, hinter mir gehen, Dummy tragen etc.

 

- mein Hund wird abgeleint und ich versuche seine Aufmerksamkeit bei mir zu halten, indem ich den Dummy verstecke und ihn suchen lasse, indem ich ihn absitzen lasse und den Dummy werfe, ihn danach zum Apportieren losschicke. Diese Beschäftigung mit Belohnung stärkt unsere Bindung.

 

Irgendwann schicke ich den Hund dann in den Freilauf und wandere und lasse meinen Gedanken ziehen, beobachte jedoch auch weiterhin meinen Hund. Zwischendurch baue ich immer wieder kleine Aktionen ein, indem ich mich verstecke oder wir gemeinsam einen Stock hinterher jagen. Dann laufe ich wieder einfach so weiter und mein Hund macht eine Zeit lang, was er möchte. Ich kann ihn jedoch  bei einer solchen Bindung viel besser abrufen und kontrollieren.

 

Auch ich laufe einfach mal mehrere Kilometer mit meinem Hund an meiner Seite, ohne große Aktionen. Die Erlebnisse und Aktionen aus der Vergangenheit helfen uns dabei ungemein, einfach, weil wir eine Bindung eingegangen sind.

 

So und jetzt wünschen wir euch ganz viel Vorfreude auf eure Hundekinder!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Nadine und Klaus (Mittwoch, 26 April 2017 15:58)

    Das hast Du toll beschrieben Nicole! Und genau so ist es!! Es ist einfach wunderbar, wenn diese Bindung aufgebaut ist... Ich erinnere mich immer gerne an eine Situation, als ich mit Elmar auf einer großen Wiese unterwegs war und ein Mann uns beobachtete und dann zu mir sagte....., ihr Hund bleibt ja immer bei Ihnen, das ist ja langweilig.....
    Also langweilig ist das gar nicht���‍♀️ 1. war das ausdauernde, mit Freude verbundene (manchmal sehr harte) Arbeit� Aber es hat sich gelohnt und auch viel Spaß gemacht..... und macht heute noch mehr Spaß, weil es jetzt ganz andere Dinge sind, die man draußen mit seinem treuen Freund erleben darf❤️

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