Alle Neune und einer passt von oben auf

8 Rüden und 2 Hündinnen hat unsere Bella uns geschenkt. Es war ein intensives Erlebnis und gehört ab jetzt zu unserem Erfahrungsschatz, dafür sind wir sehr dankbar!

 

Bella hat die gesamte Geburt sehr souverän und instinktsicher gemeistert. Es begann am Mittwochabend bereits mit vermehrtem Hecheln und wurde am Donnerstag dann durch das Scharren ihrer Liegeplätze angezeigt, auch im Garten wurde mächtig gescharrt, was leider dazu führte, dass sie sich eine Kralle verletzt hat, deshalb auch der Verband. Naja, im alltäglichen Hundeleben scharrt man ja auch nicht ständig alles um, da kann schon mal ein Nagel reißen.

 

Ihr erster Welpe (Rüde) wurde um 15:28 Uhr in ihrem Lieblingskorb in der Küche zur Welt gebracht, er kam ohne Fruchthülle und Eihaut, mit den Hinterbeinchen zuerst.

 

Der zweite Welpe (Rüde) folgte direkt um 15:34 Uhr, ebenfalls rückwärts und noch komplett in seiner Fruchthülle.

 

Der dritte Welpe (Hündin) wurde um 15:50 Uhr ebenfalls in Fruchthülle in ihrer Wurfkiste geboren, es ging alles so wahnsinnig schnell, wir hatten keine Zeit zu denken, es war Handeln in Form von leichter Hilfestellung beim Pressen und gutes ruhiges Zureden angesagt. 

 

Danach passierte erst einmal nichts mehr. Wir hatten jedoch alle Hände voll zu tun. Die Küche wischen, das Küchenkörbchen auseinander bauen und ab in die Wäsche, unsere Bella nicht allein lassen. Etwas Traubenzucker anbieten, Wasser anbieten etc. Das Wunder bestaunen. Die Wurfkiste reinigen ohne das Quartett zu stören.

 

Der Schweiß war gerade getrocknet da ging es weiter.

 

Um 17:07 Uhr kam der vierte Welpe (Rüde).  

 

Danach wurde Bella unruhig und sah irgendwie unschlüssig aus, sie wollte raus in den Garten. Im Garten kam der fünfte Welpe (Rüde) zur Welt. Er kam nur langsam und ohne Fruchthülle und Eihaut, es war beschwerlich für sie, wir merken es schon, sie lief im Garten auf und ab und schließlich fiel uns der kleine Gärtner direkt in die Hände und ins Handtuch, jetzt aber schnell rein. Wir spürten gleich, der kleine Kerl war anders, nicht so agil, etwas kleiner und schneeweiß. 

 

Nach dieser Geburt war es ruhig und wir dachten erst, es wäre vorbei. Beim Streicheln und Loben konnte ich jedoch fühlen, da war noch etwas.

 

Bei großen Würfen ist es oft der Fall, dass die Hündin eine Pause einlegt, einfach auch um mal etwas zu regenerieren. Sie schlief dann auch ein wenig ein und wir kümmerten uns um den kleinen Gärtner. Er wurde gerubbelt und animiert aber der kleine Kerl wollte schlafen. Die anderen vier Welpen lagen schon an der Milchbar und nahmen die ersten Schlücke, Bella schlief.

 

Wir machten derweil die ersten Notizen, überprüfen die Geburtsgewichte, wuschen die ersten Laken und machten natürlich Fotos.

 

Um 21:00 Uhr ging es weiter, der 6.Welpe (Rüde) kam in Fruchthülle und mit einem herzzerreißendem Welpenquieker zu den anderen, er fand sofort seinen Weg zur Milchbar, wir waren ganz baff. 

 

Um 21:11 Uhr kam direkt der 7. Welpe (Rüde) nur noch in der Eihaut (Amnionshülle) verpackt zu uns. Jetzt waren es schon 7 Zwerge in der Kiste!

 

Wieder kehrte bei Bella eine Erholungsphase ein und wieder fühlte ich, da ist noch mindestens ein Welpe in ihrem Bauch. 

 

Um 23:28 Uhr kam der 8. Welpe (und wieder war es ein Rüde), ebenfalls nur in der Eihaut (Amnionshülle) zu uns. Ich dachte, wenn ich jetzt wieder so einen Schniedel sehe, werd ich verrückt. Was soll ich sagen, die Jungs waren jetzt zu siebt, ich fühlte mich von dieser Testosteron-Übermacht allmählich bedroht.

 

Um 23:43 Uhr kam der 9. Welpe (Hündin) und plumpste sprichwörtlich mit Sack und Pack in die Küche, nachdem Bella es ausgepackt und trocken geleckt hatte, konnten wir sehen, eine Hündin kam in die Meute, jetzt waren sie zu zweit.

 

Jetzt war es vorbei, wir waren uns sicher.

 

Bella wollte etwas fressen und in den Garten, danach legte sie sich zu ihren Welpen und wir lagen selig und erschöpft auf unserem Nachtlager davor. Einzig unser kleiner Gärtner machte uns weiterhin große Sorgen, er wollte einfach nicht trinken.

 

0:55 Uhr was war das für ein Geräusch? Bella drehte sich kurz um, Nr. 10 war gelandet und was soll ich sagen, es war natürlich ein Rüde!!!!!!

 

Zwischen dem ersten und dem letzten Rüden lagen für uns unglaubliche Stunden. Auch wenn wir kaum noch aus den Augen schauen konnten, funktionierten wir einwandfrei Hand in Hand. Laken wechseln, Gewicht messen...nur den Farbklecks haben wir uns bei Nr. 10 gespart, er ist unverwechselbar dunkel und blieb ja schließlich auch der letzte.

 

Der Rest der Nacht verlief wie in Trance und als ich um 5:00 Uhr den Müllwagen hörte und mir plötzlich einfiel, dass ich ja ganz vergessen hatte die Mülltonnen aus dem Garten zu holen, stand ich unvermittelt mit Bademantel und den Stiefeln meines Sohnes,beladen mit zwei gelben Tonnen dem Müllmann gegenüber ohne zu wissen, wie ich dort hingekommen war.

 

Verrückt so eine Hundegeburt!

 

Das Freud und Leid oft nah beieinander liegen, mussten wir jedoch in den nächsten Stunden schmerzlich erfahren.

 

Unser Sorgenkind, der kleine Gärtner wurde schwächer und hatte noch immer nicht getrunken, auch mehrmaliges Anlegen und selbst das Fläschchen wollte er nicht. Ich habe ihn mir angeschaut und versucht das kleine Mäulchen zu öffnen, ohne wirklichen Erfolg, äußerlich konnte ich nichts erkennen. Erst das Gespräch mit unserer Rassebetreuerin und sehr erfahrenen Züchterin Iris Staudt brachte Klarheit. In der Not muss man auch mal etwas grob werden und so untersuchten wir das Mäulchen noch einmal genauer mit dem kleinen Finger, der Verdacht bestätigte sich, er hatte eine Gaumenspalte und aufgrund dieser konnte er keine Nahrung abschlucken. Wir haben uns diese Erkenntnis von unserem Tierarzt bestätigen lassen und haben den kleinen Kerl direkt erlöst.

 

Er liegt nun unter unserer Sternmagnolie im Garten. Sie blüht so weiß wie des Gärtners Fell und wird uns jedes Jahr an unseren kleinen Gärtner erinnern.

 

Aufgrund seiner Farbe und auf die altgermanische Bedeutung hin, haben wir ihn Albin getauft.

Albin bedeutet "der beschützende Freund" und so haben unsere 9 Welpen einen Beschützer, der von oben aufpasst, der Gedanke gefällt uns und so sind wir versöhnt und akzeptieren Mutter Natur.

 

 

 

 

 

So sieht ein Welpe im Gebärmutterhorn übringens aus. Manchmal wird die äußere Fruchthülle (Allantois) durch die Kontraktionen der Presswehe zerdrückt, sodass durch das austretende Fruchtwasser der Welpe in der verbleibenden Eihaut (Amnion) besser aus dem Muttertier gleiten kann. Manchmal passiert dies jedoch auch sehr früh und durch weiteres Pressen verliert der Welpe auch seine zweite Schutzhülle, er liegt dann trocken und ungepolstert im Geburtskanal und eine Geburt wird für die Hündin schwieriger und für den Welpen mit fortschreitender Dauer gefährlich.


Für uns war es sehr wichtig, eingreifen zu können, wenn es nötig ist und den Geburtsvorgang sonst so natürlich wie möglich ablaufen zu lassen, d.h. nicht wir haben die Welpen aus der Fruchthülle genommen (wir haben sie im Einzelfall nur unterm Kinn des Welpen geöffnet und sie etwas über das Köpfen gezogen) sondern Bella hat ihrem Instinkt folgend diese Arbeit übernommen. Gerade das Trockenlecken, das Abnabeln und auch das Fressen der Nachgeburt ist wichtig für die Hündin. Durch das Trockenlecken nimmt die Hündin Hormone auf, die ihre Instinkte für die Brutpflege erst so richtig aktivieren. Das Fressen der Nachgeburten (allerdings nur in einem gewissen Maße) begünstigt die Milchbildung und so hat alles in der Natur auch seinen Sinn.

 

Jetzt könnte man sagen "ja prima, früher hat es doch auch im Stall funktioniert, warum mischt man sich überhaupt ein?"

 

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass zum einen nicht immer alles funktioniert hat, man es dann jedoch auch nicht unbedingt mitbekommen hat und das man in dem Moment, indem wir Menschen entscheiden, dass gezüchtet werden soll, wir auch die Verantwortung für die Gesundheit unserer Tiere übernehmen müssen. Auch wenn unsere Hunde in der Regel instinktsicher sind, werden diese Instinkte nicht immer sofort wach und müssen manchmal durch kleine Impulse des Züchters geweckt werden. 

 

Wir leben so eng mit unseren Haushunden zusammen, sie dürfen teilweise mit uns auf der Couch liegen, uns manchmal sogar im Bett besuchen, wir verreisen zusammen und drehen täglich unsere Runden, da ist es nur selbstverständlich, dass wir ihnen auch in schweren Stunden zur Seite stehen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Kerstin Förster (Sonntag, 19 März 2017 23:16)

    Sooo schön, es noch einmal zu lesen, obwohl ich es ja schon gehört habe... während ich mit Emmi eingekuschelt auf dem Sofa halb liegend verweile... der Natur so viel Respekt entgegenbringend und Achtung solcher " Launen der Natur" ... wenn auch traurig, aber versöhnend ... dankbar, diese, eure Erfahrung teilen zu dürfen und Durchbrechen manch kräfteraubender Alltagsanforderung zu erleben... ich freue mich auf die kommende Zeit�

  • #2

    Kornelia (Montag, 20 März 2017 09:48)

    Ja, sehr schön geschrieben und beschrieben, toll. Dem ersten Komentar kann ich mich voll anschließen, nur haben wir aktuell nichts mit vier Beinen zum Kuscheln � Was kann es besseres geben als aus diesem besonderen HundMenschTeam einen neuen Gefährten anvertraut zu bekommen. �

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